Bist du introvertiert? Teil 1

introvertiert cover

Heute möchte ich mal über ein Thema sprechen, dass für mich einen großen Einfluss auf mein alltägliches Leben hat und so eine bedeutende Rolle in meinem Leben spielt. Das jedoch nicht, weil ich viel mit introvertierten Personen in meinem alltäglichen Leben zu tun habe, sondern weil ich selber einer bin. Und gerade weil ich zu diesen mysteriösen introvertierten Menschen gehöre, möchte ich versuchen, mit diesem Thema und die Mythen, die sich darum ranken, aufzuräumen. Da dies – für mich – ein breites Feld ist, würde ich daraus gerne eine kleine Reihe machen.

Disclaimer: Ich spreche nur aus meiner persönlichen Perspektive und kann damit definitiv nicht  für hundert andere sprechen. Dennoch ticken wir alle auf der ein oder anderen Ebene ähnlich und auf Basis dieser will ich ein paar Worte darüber verlieren.

 

Viele, die mit diesem Thema keine Berührungspunkte haben, werden sich wohl oder übel diese eine Fragen stellen:

Was bedeutet Introversion denn überhaupt? 

 

Um auf die Frage einzugehen, beziehe ich mich auf einen Eintrag auf Wikipedia, der das gut auf den Punkt bringt. Dieser erklärt es folgendermaßen:

„Introversion“ ist der Gegenpol zu Extraversion. Introvertierte Charaktere wenden ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben. In Gruppen neigen sie eher zum passiven Beobachten als zum Handeln und werden häufig als „still“, „zurückhaltend“ und „ruhig“ beschrieben. Introversion ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Schüchternheit.

Ein markanter Unterschied zwischen introvertierten und extravertierten Personen ist, dass sich der Introvertierte nach längerer Dauer ohne Zeit „für sich selbst“ im Gegensatz zum Extravertierten energielos und „ausgesaugt“ fühlt. Daher bevorzugen introvertiert geprägte Menschen oft eine ruhige Umgebung, wie z. B. die eigene Wohnung, Bibliotheken, Parks, Wälder etc. Oft nutzen Introvertierte auch ihre Wochenenden und ihre Freizeit, um sich zu erholen, indem sie je nach Möglichkeit so viel Zeit wie möglich allein oder mit engen Freunden und Bekannten verbringen. Dabei genießen sie, anders als von Außenstehenden häufig angenommen, diese Zeit, da sie sich nur auf diese Art effektiv erholen und nachdenken können.

Irrtümlicherweise werden Absagen von Partys, Ablehnungen von Verabredungen oder ein Ausbleiben von Kontaktaufnahme vom Bekannten- und Freundeskreis introvertierter Menschen in vielen Fällen so aufgefasst, als ob von Seite des Introvertierten kein Interesse oder Gleichgültigkeit an der Freundschaft bzw. Bekanntschaft bestünde. Introvertierte streben genauso wie auch Extravertierte nach sozialen Kontakten, Freundschaften und Unternehmungen, jedoch nicht in solchem Umfang wie andere.“

Natürlich muss nicht alles davon auf jede introvertierte Person zutreffen. Auch introvertierte Personen gehen gerne in Clubs tanzen und gehen dann und wann auch auf größere Veranstaltungen. Das Problem von introvertierten Menschen ist nicht die Angst vor vielen Menschen, sondern viel mehr die nicht vorhandene Energie sich mit diesen vielen Menschen auf längere Dauer und sich wiederholender Häufigkeit zu befassen.

Um das am Beispiel des Clubs zu schildern: Als introvertierte Person mit 1-4 Freunden in einen Club zu gehen und zu tanzen, absolut kein Problem. Als introvertierte Person interagierst du ohnehin nur mit deinen Freunden und blendest alles um dich herum aus, dass nicht „zu dir“ gehört. Übersteigt die Anzahl der Freunde die Rahmen von circa 4 Personen, beginnst du damit Leute selektiv auszuwählen, mit welchen du dich dazu entscheidest zu interagieren. Das Problem: Du hast nicht genug Energie, um dich mit jedem Einzelnen zu befassen. Aus der Sicht einer Introvertierten ist das völlig nach zu vollziehen, für manch andere gilt das jedoch als unhöflich.

Nun, lasst mich beginnen, über die alltäglichen Probleme eines introvertierten Menschen wie mir zu sprechen..

Anfangen tut das meistens damit, dass die ein oder anderen, die in persönlichen Kontakt mit mir treten, sich darüber meistens gar nicht wirklich im Klaren sind. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn zwischen vielen lauten Menschen, gibt es auch eine Menge ruhige Menschen, weshalb mein Wesen einfach so akzeptiert wird. Damit ist man ein Mensch wie jeder andere und keiner verlangt von dir, anders zu sein. Schwieriger wird es, wenn die Menschen dich nicht verstehen und verlangen dass du anders bist, auch wenn sie nicht die Ursache für dein Verhalten kennen..

Zu diesen Menschen gehören Fremde, die sich selbstverständlich nicht mit dir beschäftigen oder je mehr als eine Begrüßung oder freundliches Lächeln mit dir gewechselt haben. Für genau diese Menschen, sieht das Ganze anders aus. Begonnen damit, dass sie einfach annehmen, dass wir ungerne sprechen, nichts zu sagen haben oder Menschen einfach generell nicht leiden können und deswegen Gespräche mit ihnen vermeiden. Der Schein trügt allerdings..

Ich, für meinen Teil, kann behaupten, dass ich wahnsinnig viel rede, wenn der Tag lang ist, aber nur nicht mit jedem Menschen der mir begegnet. Das finde ich auch völlig legitim, denn man ist nicht mit jedem auf der selben Wellenlänge, noch hat man ständig Lust sich in lange und ausdauernde Gespräche mit jeder x-beliebigen Person zu verwickeln. Mit zufälligen Menschen ein interessantes Gesprächsthema zu finden.. nicht immer einfach und oft sehr anstrengend. Dennoch: Falls es klappt und ein interessantes Gespräch zustande kommt, freut man sich. Wenn nicht, ist es nur halb so schlimm.

Small-Talk? – Nein, danke.

Was ich, sowie die meisten anderen, aber nicht können, ist belanglosen Small-Talk betreiben, ohne das man sich anschließend wahnsinnig erschöpft fühlt. Wenn ich ehrlich bin, ich kann Small-Talk überhaupt nicht ausstehen und finde es meistens langweilig, zeitraubend und anstrengend. Mich interessieren Themen, über die man wirklich reden kann und nicht, wie eine mir fremde Person das Wetter heute findet. Über Dinge zu reden, die wirklich interessant sind, ist leichter, als sich eine irrelevante Frage nach der nächsten aus der Nase zu ziehen. Mir, und vielen anderen Menschen auch, geht es um Gespräche mit Inhalten, über die man eine wirkliche Meinung haben und sich unterhalten kann. In dem Kopf einer stillen, für sich denkenden Person gehen so viele Gedanken gleichzeitig von statten, dass man sich sicher sein kann, dass sie zu fast jedem Thema eine Meinung haben wird. Sie drängt ihre Meinung nur nicht jedem auf, sondern äußert sie nur dann, wenn ihre Meinung gewollt ist. Aufgrund dessen kann die Themenfindung für ein Gespräch mit einem Fremden auch ein ziemliches Unterfangen sein. Bis eins gefunden wird, haben introvertierte Personen meistens kein Interesse mehr daran und/oder keine Kraft mehr, sich damit zu beschäftigen. Das gilt jedoch nicht für alle.

Introvertierte sind unhöflich

So entstand auch der der Mythos, dass introvertierte Menschen unfreundlich sind. Ich kann mir zwar nicht erklären, seit wann Fremde verlangen, dass man als einzelne Person mit absolut jedem super auskommen muss, aber anscheinend ist das die Anforderung von vielen Menschen dort draußen. Dies bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass wir introvertierte Menschen gezwungenermaßen unter so einen Druck stehen, dass wir uns automatisch eher zurückziehen als auf Fremde zuzugehen. Es ist furchtbar nervenaufreibend und Kräfte raubend, sich verstellen zu müssen und sich gegen sein eigenes Wesen zu stellen. Ich habe es lange Zeit versucht, aber man merkt selber wie unnatürlich dieses Verhalten für einen selber ist. Dann nimmt man lieber in Kauf, als unfreundlich oder arrogant abgestempelt zu werden, weil es einfach  viel angenehmer ist still zu sein, statt sich krampfthaft an Gesprächen zu beteiligen. Dies gilt jedoch nicht für gute Freunde und Familie. Meiner Erfahrung nach, sind Gespräche mit meiner besten Freundin überhaupt nicht anstrengend – gleiches gilt für die Familie. Das hängt aber auch größtenteils damit zusammen, dass man sich nicht zu verstellen braucht. Und brauchst du dann einfach mal deine Ruhe, werfen dir diese Menschen nicht vor komisch zu sein oder wollen, dass du dich deshalb schlecht fühlst. Fremden und Bekannten aber zu erklären, dass du einfach mal eine Pause brauchst und du dich einfach ausgelaugt fühlst – etwas schwieriger und meistens ein einziges Drehen im Kreis. Was man stattdessen macht? Man versucht sich rauszureden und zu  behaupten, einem ginge es einfach nicht gut. Dabei stimmt das meistens gar nicht. Wir können uns gut fühlen und trotzdem nicht reden müssen oder für ein paar Stunden energielos sein. Das eine hat mit dem anderen in den meisten Fällen nichts zu tun.

Was hältst du von diesem Thema? Würdest du dich eher als introvertiert oder extrovertiert beschreiben? Hast du introvertierte Menschen in deinem Freundeskreis oder wie gehen deine Freunde mit dir um?

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13 Gedanken zu “Bist du introvertiert? Teil 1

  1. Ich, auch als introvertierte Person, kann mich voll und ganz mit dem was du geschrieben hast identifizieren! Hab das Gefühl, dass man es als introvertiertere Person nicht immer ganz leicht, aus den von dir genannten Gründen und wenn man sich dann so einen Text wie deinen durch zu liest, tut echt gut!

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  2. Hallo nach München,
    zum Glück sind wir alle irgendwie unterschiedlich `gestrickt´, und ich habe ebensolche Freunde.
    Mit deiner Beschreibung bin ich vollkommen auf deiner Linie, nur früher war ich vielleicht etwas `schüchterner´ bzw. unsicher, eine Phase, die viele durchleben.
    Außerdem komme ich selbst mit eher introvertierten Persönlichkeiten besser klar, weil sie mir einfach sympathischer sind.
    Und ich kenne extravertierte, die mich voll nerven und das ist NICHT MEIN Problem.
    Fazit:
    Du bist mir keineswegs `mysteriös´ 😉
    LG
    Jürgen aus Loy (PJP)

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  3. Hi,

    Nachdem ich so deinen Beitrag gelesen habe, würde ich mich als introvertierten Menschen bezeichnen.🙃
    Ich gehöre definitiv zu den Menschen die viel Zeit für sich alleine brauchen. Bin froh mal zu lesen, dass es auch andere Menschen „überfordert“ sind, wenn sie mit mehr als 2,3 Freunden unterwegs sind 🙂

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  4. Hi, vielen Dank für Deinen Post. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft extrovertierte Personen stärker akzeptiert / eher mit der Norm gleichgesetzt werden. Das finde ich schade und hoffe, dass Beiträge wie dieser dazu anregen, das Thema aus einer anderen Perspektive zu betrachten. 💪🏻💚

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  5. Melde mich nochmal mit einer anderen Eigenart von Menschen, die sehr grenzwertig ist.
    Es geht um die HSP (High Sensible Persons). Ich hab viel mit dieser Gruppe kommuniziert und bin über Wikipedia erst dazu gekommen, dass ich da auch sehr von betroffen bin:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t
    Es gibt nach meinen Recherchen nur eine seriöse Studie, die durch Hirnscans ermittelt haben, dass es Singnifikanten für HSP gibt.
    Für mich ist das allerdings sehr vorteilhaft, für andere eher ein Problem.
    Mach`s weiter gut und bleib dir treu!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

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  6. Hallihallo,

    ich verstehe dich sehr gut, ich bin selbst naturgemäß ein introvertierter Mensch und eine HSP noch dazu. Nur glaubt mir das selten jemand, weil ich nach außen hin einfach nicht so wirke, ich musste halt lernen, mich bis zu einem gewissen Grad anzupassen, was mir auch ganz gut gelungen ist. Die ganze Welt ist irgendwie auf Extraversion ausgelegt und speziell im Berufsleben ist das ein heikles Thema. Wenn man sagt, dass man lieber alleine arbeitet als im Team, oder lieber alleine in einem Büro sitzt als in einem Großraumbüro, wird das nicht gerne akzeptiert. Was sehr schade ist, denn introvertierte Menschen können Höchstleistungen erbringen, wenn sie sich im richtigen Umfeld befinden. Ich brauche nur ein geringes Maß an (qualitativer) sozialer Interaktion, zu viel wird schnell anstrengend für mich. Ich werde oft gefragt, ob ich mich in bestimmten Situationen nicht einsam fühle … ganz im Gegenteil, ich liebe die Einsamkeit und oft gibt es nichts Schöneres für mich, als alleine daheim zu sein und die Welt da draußen auszublenden. Ich finde, das ist ein sehr gutes Thema, das viel mehr propagiert werden muss, weil immer noch viel zu wenige Menschen darüber Bescheid wissen. Ich habe auch lange geglaubt, ich sollte vielleicht anders sein, weil manche Menschen einem gerne einreden, dass man so wie man ist, nicht den gängigen Erwartungen der Gesellschaft entspricht. Heute ist mir das völlig schnuppe, ich stehe dazu und will es auch gar nicht anders haben. Ich habe ein Maß an Qualität in meinem Leben, von dem andere nur träumen können, weil sie sich in irgendwelche Konventionen zwängen lassen 🙂

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